Kinderzahnheilkunde

Wie wichtig sind die Milchzähne?

Viele Menschen denken, dass die Milchzähne unwichtig sind, weil sie ohnehin ausfallen. Dabei übernehmen die 20 Milchzähne einige wichtige Funktionen.

Die Hauptaufgabe der Milchzähne besteht darin, die Speisen für die Verdauung vorzubereiten. Desweiteren sind sie Platzhalter für die bleibenden Zähne und sorgen dafür, dass diese problemlos durchbrechen; insbesondere im Falle von äußeren Einflüssen wie Trauma, die bei Kindern häufig auftreten.

Darüber hinaus sind die Milchzähne für die Aussprache sehr wichtig. Die Entwicklung des richtigen Sprechens hängt von den Milchzähnen ab. Außerdem haben die Milchzähne eine ästhetische Funktion. Wenn Kinder mit 6-7 Jahren sehen, dass ihre Freunde ebenfalls die Vorderzähne verlieren, halten sie es für normal. Aber der frühzeitige Zahnverlust kann zur psychologischen Trauma führen.

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Was geschieht beim Zahnen?
Die Symptome variieren von Kind zu Kind und treten im Normalfall 1-2 Monate vor dem Zahndurchbruch auf.

Sabbern: Das Sabbern beim Kind oder Baby nimmt zu. Infolgedessen können Rötungen und Risse aufgrund von Reizungen im Mundbereich auftreten.

Beißen: Ein zahnendes Baby versucht, das Zahnfleisch zu beruhigen, indem es auf alles beißt, was es findet.

Schmerzen: Der Druck, der beim Zahnen auf das Zahnfleisch ausgeübt wird, führt zu Entzündungen und Schmerzen. Da die Schmerzen steigen und permanent vorhanden sind, ist das Baby unruhig. Darüber hinaus können Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Durchfall und Fieber auftreten.

Maßnahmen zur Milderung der Zahnungssymptome:

Geben Sie dem Baby kalte Speisen zum Kauen. Kalte Speisen und Getränke sind für das Baby interessanter als diejenigen mit Zimmertemperatur. Geben Sie dem Baby einen Beißring. Wenn das nicht ausreicht, wenden Sie sich an Ihren Zahnarzt, der Ihnen ein geeignetes Medikament verschreibt.

Warum haben Milchzähne Karies?

Das Dentin und der Zahnschmelz der Milchzähne sind fast halb so dick wie bei den bleibenden Zähnen. Außerdem haben sie im Vergleich zu den bleibenden Zähnen weniger anorganische Bestandteile und neigen dementsprechend eher zu Karies.

Dennoch ist die Mundhygiene von Kindern nicht so sorgfältig wie bei den Erwachsenen. Die Eltern müssen ihre Kinder anleiten, damit sie Bezug auf den Schutz der Mundgesundheit und die Mundpflege die richtigen Verhaltensweisen und Gewohnheiten entwickeln.

Bereits im frühen Alter steht die Wachstumsentwicklung des Kindes für die Familie im Vordergrund. Weil die Eltern denken, dass sie ihrem Kind etwas Gutes tun, geben sie Zucker oder Honig in die Milch oder den Brei, mit dem sie das Kind als Zwischenmahlzeit füttern. Auch der Schnuller oder die Flasche werden in Honig oder Marmelade getaucht, was vollkommen falsch ist. Das führt dazu, dass sich bereits frühzeitig Flaschenkaries bildet.

Sollte Karies an den Milchzähnen behandelt werden?

Selbst oberflächige Karies an den Milchzähnen bedroht die Nachbarzähne. Die Karies an den Milchzähnen schreitet fort, erreicht die Nerven und führt an der Wurzelspitze zu Entzündungen, die beim Kind Schmerzen und Entwicklungsanomalien verursachen, weil die bleibenden Zähne unter den Milchzähnen beeinträchtigt werden.

Wenn Milchzähne nicht behandelt und frühzeitig gezogen werden, wandern die Nachbarzähne in die entstandene Zahnlücke und verengen sie. Somit kann der bleibende Zahn unter dem gezogenen Milchzahn nicht durchbrechen oder bricht schief durch.

Von Karies befallene Zähne verursachen außerdem Mundgeruch und führen dazu, dass das Kind auf der betroffenen Seite nicht kauen kann. Das alles bewirkt, dass das Kind bereits in jungen Jahren Schmerzen hat und mit zunehmendem Alter Phobien entwickelt.

Wann sollte ein Kind zum ersten Mal zum Zahnarzt?

Der erste Zahnarztbesuch stellt im Leben des Kindes einen wichtigen Schritt dar. Früher war man der Ansicht, dass die erste Untersuchung mit 2,5-3 Jahren stattfinden sollte, wenn alle Milchzähne durchgebrochen sind. Da neueren Untersuchungen zufolge Flaschenkaries bereits im frühen Alter auftreten kann und um mögliche Komplikationen, die zu einem späteren Zeitpunkt eintreten können, frühzeitig zu diagnostizieren, sollte die erste Kontrolle mit dem 1. Lebensjahr erfolgen. Auf diese Weise entsteht bei dem Kind keine Weiße-Kittel-Phobie und die Eltern erhalten nützliche Informationen zur Mund- und Zahngesundheit und Ernährung ihres Kindes.

Kann man die Kariesbildung vorbeugen?

Mit Fluoridierung kann man die Kariesbildung reduzieren und den Zahnschmelz vor Karies schützen. Fluor kann auf zwei Arten angewendet werden: lokal und systemisch. Die lokale Fluoranwendung erfolgt entweder durch den Zahnarzt oder die Person kann ihre Zähne mit fluorhaltiger Zahncreme und Mundspülungen gegen Karies selbst stärken. Die systemische Fluorzugabe kann mittels Fluortabletten und fluorhaltigem Wasser geschehen. Bitte wenden Sie sich diesbezüglich an Ihren Zahnarzt.

Ein weiteres Verfahren zur Reduzierung der Kariesbildung sind Fissurversiegelungen. Auf der Kaufläche der Zähne befinden sich Einbuchtungen, sogenannte Fissuren. Diese Einbuchtungen können mit der Zahnbürste nicht immer ausreichend gereinigt werden. Um Karies vorzubeugen, können die Fissuren mit Fissurversiegelungen geschlossen werden. Dies ist ein wichtiges Verfahren in der präventiven Zahnmedizin.

Was bedeutet Flaschenkaries?

Muttermilch und Babynahrung enthalten von Natur aus Zucker. Da das Wachstum und die Entwicklung in dieser Phase für die Familie im Vordergrund stehen, fügen sie der Milch oder der Babynahrung in dem Gedanken, das Baby besser zu ernähren, Zucker und Honig zu. Wenn diese Nahrung dem Baby zwischen den Schlafenszeiten oder abends vor dem Schlafengehen verabreicht wird, verursacht die Milch bzw. die Babynahrung wegen des enthaltenen Zuckers, dem die Zähne über einen langen Zeitraum ausgesetzt sind, Karies. Insbesondere vor dem Schlafengehen sollte auf die Mundreinigung des Babys geachtet werden. Ebenso ist es wichtig, dass das Kind nach dem Essen Wasser trinkt.

Maßnahmen zur Vorbeugung von Flaschenkaries:

  • Tauchen Sie den Schnuller Ihres Babys nicht in Honig oder Zucker.
  • Geben Sie keinen Zucker in die Milch oder Babynahrung.
  • Sorgen Sie dafür, dass das Kind sich nicht angewöhnt, mit der Flasche einzuschlafen.
  • Wischen Sie den Mund Ihres Kindes nach dem Essen mit einem sauberen feuchten Tuch ab und geben Sie Ihrem Kind Wasser.

Maßnahmen zur Reduzierung von Karies bei Ihrem Kind:

Helfen Sie Ihrem Kind beim Zähneputzen. Die Zähne sollten morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen mindestens zwei Mal am Tag unter der Aufsicht eines Erwachsenen geputzt werden. Machen Sie Ihr Kind frühzeitig mit dem Zahnarzt bekannt. Ergreifen Sie Präventivmaßnahmen, um der Kariesbildung vorzubeugen.

Achten Sie bei der Flaschenverwendung auf Flaschenkaries. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind ausreichend Fluor zu sich nimmt. Verwenden Sie auf Empfehlung Ihres Zahnarztes fluorhaltige Tabletten, fluorhaltige Zahncreme und Mundspülungen und nutzen Sie die Fluorbehandlungen des Zahnarztes. Da auch eine Überdosierung von Fluor schädlich ist, sollten Sie sich diesbezüglich unbedingt von Ihrem Zahnarzt beraten lassen. Da außerdem die Zwischenmahlzeiten der Kinder viel Zucker und Stärke enthalten und somit die Kariesbildung fördern, achten Sie darauf, dass Ihr Kind regelmäßige Mahlzeiten zu sich nimmt.

Was ist Fingerlutschen? Ist es schädlich?

Im Allgemeinen ist das Fingerlutschen bei Kindern unter 5 Jahren nicht schädlich. Wenn aber ab dem 6. Lebensjahr die ersten bleibenden Zähne durchbrechen und das Fingerlutschen anhält, führt es bei Ihrem Kind zur Problemen bei der Kieferentwicklung. Da in dieser Phase der Kieferknochen sehr weich ist, werden die oberen Frontzähne durch den Druck, den der Finger beim Fingerlutschen verursacht, nach vorne gedrückt und die unteren Frontzähne verschieben sich nach hinten. Außerdem bildet sich im oberen Gaumen ein extremer Hohlraum. Man sollte dem Fingerlutschen so früh wie möglich vorbeugen. Wenn Ihr Kind nach dem 5. Lebensjahr immer noch am Finger lutschen sollte, können Sie es zunächst mit Belohnung und Bestrafung versuchen. Falls sich das Problem auch damit nicht lösen lässt, sollten Sie sich an Ihren Zahnarzt wenden. Er wird einen Apparat anfertigen, den Ihr Kind zur Abgewöhnung dieser schlechten Angewohnheit tragen muss.

Worauf Eltern achten sollten:

  • Machen Sie das Kind frühzeitig mit dem Zahnarzt bekannt, bevor Probleme entstehen.
  • Die Eltern sollten ihre eigenen Ängste nicht offen zeigen und den Zahnarzt nicht als Strafe oder zum Angsteinflößen missbrauchen.
  • Das Kind sollte nicht bestochen werden, damit er zum Zahnarzt geht.
  • Man darf dem Kind keine Dinge versprechen, die nicht gehalten werden können, z.B. sollte man nicht sagen, dass keine Spritze gemacht wird. Einige Tage vor dem Termin kann man dem Kind in verständlicher Art und Weise erklären, welche Behandlungen durchgeführt werden.
  • Man darf die Angst des Kindes nicht ins Lächerliche ziehen, in der Hoffnung, dass es dann keine Angst mehr hat.

TRAUMA

Kindern stoßen sich oft und fallen häufig hin. Infolgedessen können sie unter Problemen leiden, die ihr Leben lang andauern. Vor allem Kinder, die Sportarten wie Boxen, Fußball, Basketball, Skifahren, Fahrradfahren, Surfen, Skateboard- und Rollerbladefahren betreiben, sind gefährdet. Mithilfe einer transparenten Silikonschiene, die bei diesen Kindern über die Zähne des Oberkiefers geschoben wird, wird Zungen- und Lippenbissen und -rissen vorgebeugt und die Zähne geschützt, weil diese Schiene (Mundschutz) die Funktion eines Airbags besitzt.

Infolge eines Schlages:

  • Wenn der Vorderzahn vollständig herausgelöst ist: Legen Sie den Zahn sofort in etwas Milch. Wenn das nicht möglich ist, belassen Sie ihn im Mund im Speichel und suchen Sie sofort Ihren Zahnarzt auf. Trocknen Sie den Zahn auf keinen Fall. Im Idealfall beginnt die Behandlung binnen 30 Minuten. Falls möglich, setzt der Zahnarzt den Zahn an seiner ursprünglichen Stelle wieder ein und führt die notwendige Behandlung durch.
  • Wenn einer oder mehrere Vorderzähne abgebrochen sind: Versuchen Sie die abgebrochenen Teile zu finden und suchen Sie sofort Ihren Zahnarzt auf. Halten Sie währenddessen die abgebrochenen Teile feucht. Isotonische Kochsalzlösung, Milch und Speichel sind dafür am besten geeignet. Die abgebrochenen Teile können mit sehr starkem Kleber (Bonding) wieder angeklebt werden.
  • Wenn Sie die abgebrochenen Teile nicht finden können: Ist das abgebrochene Teil sehr klein, kann eine weiße Füllung in der gleichen Farbe wie der Zahn gemacht werden. Ist ein größerer Teil abgebrochen, sind bei Personen über 17 Jahren Veneers oder Kronen möglich. Da das Kiefer- und Zahnwachstum bei jüngeren Kindern noch nicht abgeschlossen ist, sind diese Verfahren für jüngere Kinder ungeeignet. Der abgebrochene Zahn wird vorübergehend repariert, bis das Kind älter geworden und das Wachstum abgeschlossen ist.
  • Wenn nach dem Schlag keinerlei Probleme auftreten: Die Zähne sollten auf jeden Fall vom Zahnarzt eingehend untersucht und geröngt werden. Selbst wenn kein Befund vorliegt, sollten die Zähne für den Fall irgendwelcher Komplikationen kontrolliert, neue Röntgenaufnahmen gemacht und mit den alten Aufnahmen verglichen werden.
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